Die Zahnbürste erreicht die Außenflächen, Innenflächen und Kauflächen der Zähne. Zwischen eng benachbarten Zähnen bleiben ihre Borsten jedoch häufig an den Kontaktpunkten hängen. Gerade dort können sich bakterielle Beläge festsetzen, die zur Entstehung von Karies und Entzündungen des Zahnfleisches beitragen. Für eine vollständige Mundpflege reicht das normale Zähneputzen daher nicht immer aus. Zahnseide und Interdentalbürsten sollen jene Bereiche reinigen, die eine Zahnbürste nur schwer erreicht. Welches Hilfsmittel besser geeignet ist, hängt vor allem von der Größe und Form der jeweiligen Zahnzwischenräume ab.
Warum die Zahnzwischenräume besondere Pflege benötigen
Bakterieller Biofilm sammelt sich bevorzugt an Stellen, die bei der täglichen Reinigung nicht ausreichend erreicht werden. Dazu gehören der Zahnfleischrand und die Flächen zwischen den Zähnen. Bleiben die Beläge dort längere Zeit liegen, können sie das Zahnfleisch reizen und die Entstehung von Karies oder Parodontitis begünstigen. Die Bundeszahnärztekammer empfiehlt deshalb, die Zahnzwischenräume regelmäßig mit geeigneten Hilfsmitteln zu reinigen. Zahnseide und Zahnzwischenraumbürsten sind dabei keine Konkurrenzprodukte, von denen eines grundsätzlich richtig und das andere falsch wäre. Sie eignen sich vielmehr für unterschiedliche anatomische Situationen.
Interdentalbürsten reinigen offene Zwischenräume besonders gut
Interdentalbürsten bestehen aus einem dünnen Drahtkern, um den feine Borsten angeordnet sind. Sie werden vorsichtig durch den Zahnzwischenraum geführt und entfernen dabei Beläge von den seitlichen Zahnflächen. Besonders geeignet sind sie für Zwischenräume, die genügend Platz für eine Bürste bieten. Das ist häufig bei Erwachsenen, bei zurückgegangenem Zahnfleisch oder nach einer Behandlung von Parodontitis der Fall. Die Deutsche Gesellschaft für Parodontologie bezeichnet Zahnzwischenraumbürsten bei ausreichend großen Zwischenräumen als bevorzugtes Hilfsmittel. Ist der Raum dagegen so eng, dass die Bürste nur mit Druck hindurchpasst, sollte eine andere Größe oder Zahnseide verwendet werden.
Zahnseide ist bei sehr engen Kontaktpunkten im Vorteil
Bei jungen Menschen und Personen mit eng stehenden Zähnen berühren sich die Zahnkronen oft so dicht, dass selbst eine sehr kleine Interdentalbürste nicht hindurchgeführt werden kann. Zahnseide kann durch diesen engen Kontaktpunkt gleiten und anschließend an den seitlichen Flächen beider Zähne entlanggeführt werden. Die Bundeszahnärztekammer sieht Zahnseide deshalb weiterhin als beste Lösung für enge Zwischenräume an. Sie eignet sich außerdem für einzelne Stellen, an denen eine Bürste nicht passt, obwohl in anderen Bereichen des Mundes Interdentalbürsten verwendet werden. Eine Kombination aus beiden Hilfsmitteln ist daher bei vielen Menschen sinnvoll.
Es gibt keinen Sieger für jedes Gebiss
Die Frage, ob Zahnseide oder eine Interdentalbürste besser reinigt, lässt sich nicht für alle Menschen gleich beantworten. In einem ausreichend großen Zahnzwischenraum erreicht eine passend gewählte Bürste die seitlichen Flächen meist sehr gut. An einem engen Kontaktpunkt kann dieselbe Bürste jedoch nicht verwendet werden, ohne Zahnfleisch oder Zahnsubstanz zu verletzen. Dort ist Zahnseide geeigneter. Selbst innerhalb eines Gebisses können unterschiedliche Hilfsmittel notwendig sein. Zwischen den Schneidezähnen reicht möglicherweise Zahnseide, während zwischen den Backenzähnen eine oder mehrere Bürstengrößen benötigt werden.
Die richtige Größe entscheidet über die Reinigungswirkung
Eine Interdentalbürste sollte den Zwischenraum mit ihren Borsten ausfüllen und sich mit leichtem Widerstand bewegen lassen. Ist sie zu klein, berühren die Borsten die Zahnflächen kaum und ein Teil der Beläge bleibt zurück. Ist sie zu groß, lässt sie sich nur mit Kraft einführen, kann sich verbiegen und das Zahnfleisch verletzen. Da die Abstände zwischen den Zähnen unterschiedlich sein können, benötigen manche Menschen mehrere Größen. Eine professionelle Bestimmung in der Zahnarztpraxis ist zuverlässiger als die Auswahl allein nach Gefühl. Dort kann gleichzeitig gezeigt werden, in welchem Winkel die Bürste eingeführt werden sollte.
Interdentalbürsten werden ohne Gewalt eingeführt
Die Bürste wird am Zahnfleischrand angesetzt und vorsichtig in den Zwischenraum geschoben. Sie sollte dabei nicht von oben in das Zahnfleisch gedrückt, sondern möglichst waagerecht zwischen den Zähnen hindurchgeführt werden. Häufig reicht eine kontrollierte Bewegung hinein und wieder heraus. Starkes Hin- und Herschrubben ist nicht notwendig. Im Bereich der hinteren Backenzähne kann es helfen, den Draht oder den Bürstenhals entsprechend der Herstellerangaben leicht abzuwinkeln. Wird der Draht häufig stark geknickt, kann er schneller brechen. Interdentalbürsten sollten außerdem regelmäßig ersetzt werden, spätestens wenn die Borsten abgenutzt oder der Draht verbogen ist. Das aktuelle Mundhygienehandbuch der Bundeszahnärztekammer empfiehlt einen Austausch spätestens nach etwa einer Woche.
Zahnseide muss an beiden Zahnflächen entlanggeführt werden
Zahnseide reinigt nicht allein dadurch, dass sie einmal durch den Kontaktpunkt gezogen wird. Nach dem vorsichtigen Einführen wird der Faden C-förmig um einen Zahn gelegt und mit mehreren sanften Bewegungen an dessen Seitenfläche entlanggeführt. Anschließend wird die Zahnseide an den benachbarten Zahn gelegt und die zweite Fläche gereinigt. Der Faden sollte dabei etwas unter den Zahnfleischrand gelangen, ohne mit Kraft in das Gewebe zu schneiden. Wird die Zahnseide unkontrolliert nach unten gedrückt, kann sie das Zahnfleisch verletzen und die Anwendung unangenehm machen.
Gewachste Zahnseide erleichtert häufig den Einstieg
Gewachste Zahnseide gleitet meist leichter durch enge Kontaktpunkte und fasert weniger schnell aus. Sie kann deshalb für Anfänger angenehmer sein. Ungewachste Zahnseide spreizt sich bei der Anwendung teilweise etwas auf und erzeugt ein anderes Gefühl an der Zahnoberfläche. Ein grundsätzlicher Vorteil einer bestimmten Ausführung besteht jedoch nicht für jedes Gebiss. Entscheidend ist, dass sich das Produkt sicher handhaben lässt und regelmäßig verwendet wird. Breiteres Zahnband kann bei engen, aber flächigen Kontaktbereichen angenehm sein, während flauschige Spezialzahnseide unter Brücken oder an bestimmten Zahnersatzkonstruktionen eingesetzt werden kann.
Zahnseidenhalter können die Anwendung vereinfachen
Manche Menschen haben Schwierigkeiten, einen langen Faden um die Finger zu wickeln und im hinteren Mundbereich zu führen. Zahnseidenhalter oder kleine Zahnseidenbügel können die Handhabung erleichtern. Sie sind besonders praktisch bei eingeschränkter Beweglichkeit der Hände oder wenn die hinteren Backenzähne mit normaler Zahnseide kaum erreichbar sind. Trotzdem muss auch mit einem Halter jede seitliche Zahnfläche gezielt gereinigt werden. Ein einfaches Hinunterdrücken und Herausziehen des Fadens entfernt nicht zwangsläufig alle Beläge. Bei sehr engen Kontaktpunkten sollte außerdem darauf geachtet werden, dass die Zahnseide nicht plötzlich auf das Zahnfleisch schlägt.
Blutungen zu Beginn bedeuten nicht automatisch eine Verletzung
Wer erstmals Zahnseide oder Interdentalbürsten benutzt, bemerkt möglicherweise leichte Blutungen. Häufig ist das Zahnfleisch in diesen Bereichen bereits entzündet, weil dort zuvor Beläge lagen. Die Zwischenraumreinigung sollte deshalb nicht sofort vollständig eingestellt werden. Sie muss jedoch vorsichtig und mit einem passend gewählten Hilfsmittel erfolgen. Nimmt die Blutung bei regelmäßiger, korrekter Anwendung nicht ab, wird sie stärker oder treten Schwellungen und Schmerzen hinzu, sollte die Ursache zahnärztlich untersucht werden. Bei bestehenden Implantaten kann eine erhöhte Blutungsneigung ebenfalls auf eine Entzündung des umliegenden Gewebes hinweisen.
Eine zu große Bürste kann tatsächlich Schaden anrichten
Interdentalbürsten dürfen niemals mit erheblicher Kraft durch einen engen Kontaktpunkt gedrückt werden. Neben Verletzungen des Zahnfleisches kann ein ungeeignetes Produkt auch unangenehme Druckgefühle verursachen oder sich im Zwischenraum verkanten. Lässt sich selbst die kleinste geeignete Bürste nicht kontrolliert einführen, ist Zahnseide meist die bessere Wahl. Umgekehrt ist eine sehr dünne Zahnseide in einem weit geöffneten Zwischenraum möglicherweise weniger praktisch, weil sie nur einen kleinen Teil der Fläche gleichzeitig berührt. Die Form des Zwischenraums bestimmt daher das Hilfsmittel und nicht die persönliche Überzeugung, grundsätzlich nur Bürsten oder nur Zahnseide verwenden zu wollen.
Brücken und Implantate benötigen angepasste Hilfsmittel
Unter einem Brückenglied kann normale Zahnseide nicht einfach von oben durch den Kontaktpunkt eingeführt werden. Hier können Einfädelhilfen, speziell verstärkte oder flauschige Zahnseiden sowie geeignete Interdentalbürsten notwendig sein. Auch rund um Implantate muss der Übergang zwischen Zahnersatz und Zahnfleisch gründlich, aber schonend gereinigt werden. Welche Bürstengröße und welches Produkt dafür geeignet sind, hängt von der Konstruktion des Zahnersatzes und den zugänglichen Zwischenräumen ab. Eine individuelle Einweisung ist besonders wichtig, da Entzündungen rund um Implantate lange Zeit nahezu schmerzfrei verlaufen können.
Zahnspangen verändern die Anforderungen an die Reinigung
Festsitzende Zahnspangen schaffen zusätzliche Nischen um Brackets, Drähte und Befestigungselemente. Normale Zahnseide lässt sich dort häufig nur mit einer Einfädelhilfe verwenden. Kleine Interdentalbürsten können helfen, die Bereiche unter dem Draht und neben den Brackets zu erreichen. Auch hier darf die Bürste nicht gewaltsam in zu enge Stellen geschoben werden. Da während einer kieferorthopädischen Behandlung besonders viele schwer zugängliche Flächen entstehen, sollte das passende Reinigungssystem gemeinsam mit dem zahnärztlichen oder kieferorthopädischen Team zusammengestellt werden.
Mundduschen sind nicht automatisch ein vollständiger Ersatz
Eine Munddusche kann lockere Speisereste aus Zwischenräumen spülen und für manche Menschen eine hilfreiche Ergänzung darstellen. Fest haftender bakterieller Biofilm muss jedoch mechanisch von den Zahnflächen gelöst werden. Deshalb ersetzen Wasserstrahlgeräte eine passend angewendete Interdentalbürste oder Zahnseide nicht ohne Weiteres. Dasselbe gilt für Mundspüllösungen. Die Deutsche Gesellschaft für Parodontologie weist darauf hin, dass Spüllösungen zwar einen zusätzlichen Nutzen haben können, aber kein Ersatz für Zähneputzen und mechanische Zahnzwischenraumpflege sind.
Vor oder nach dem Zähneputzen ist weniger entscheidend als Regelmäßigkeit
In welcher Reihenfolge Zahnbürste und Zwischenraumreinigung verwendet werden, ist im Alltag weniger wichtig als eine gründliche und regelmäßige Anwendung. Viele Menschen reinigen die Zwischenräume vor dem Putzen, damit gelöste Beläge anschließend ausgespült und Fluorid aus der Zahnpasta besser verteilt werden kann. Andere integrieren Zahnseide oder Bürsten nach dem Zähneputzen in ihre Routine. Entscheidend ist, dass kein Bereich dauerhaft ausgelassen wird. Ein fester Zeitpunkt, beispielsweise bei der abendlichen Zahnpflege, erleichtert es, aus der zusätzlichen Reinigung eine Gewohnheit zu machen.
Mehrere Bürstengrößen sind kein Zeichen falscher Auswahl
Zahnzwischenräume sind nicht überall gleich groß. Besonders nach einem Zahnfleischrückgang können die Abstände im Seitenzahnbereich deutlich größer sein als zwischen den Frontzähnen. Es ist daher normal, zwei oder drei verschiedene Interdentalbürsten zu verwenden. Die Größen können farblich markiert oder nach Bereichen geordnet aufbewahrt werden. Wichtig ist, die Zuordnung nicht ständig zu verändern. Wer nicht mehr weiß, welche Größe an welcher Stelle eingesetzt werden soll, kann sich in der Zahnarztpraxis einen kleinen persönlichen Plan erstellen lassen.
Die beste Methode ist die, die passend und dauerhaft angewendet wird
Interdentalbürsten sind bei offenen und ausreichend großen Zwischenräumen meist die erste Wahl. Zahnseide bleibt bei sehr engen Kontaktpunkten unverzichtbar. Viele Menschen erzielen deshalb mit einer Kombination die beste Abdeckung. Die richtige Technik und Größe sind für den Erfolg wichtiger als die Entscheidung für eine bestimmte Marke. Wer beim Einführen Schmerzen hat, regelmäßig stark blutet oder einzelne Bereiche überhaupt nicht erreicht, sollte sich die Anwendung zeigen lassen. Mit einem individuell passenden System wird die Zahnzwischenraumreinigung einfacher, schneller und langfristig zu einem selbstverständlichen Teil der täglichen Zahnpflege.
